Der Wald und sein Holz im Jahreswandel
Dem Borkenkäfer gehörte im Sommer die ganze Aufmerksamkeit. In den Wäldern herrschten wegen der warmen Tage beste Bedingungen für den ausschwärmenden "Buchdrucker". Unter der Rinde gefallener Baumkronen hat er den Winter verbracht, im Sommer möchte er für Nachwuchs sorgen. Durch seine enorme Vermehrung sind Fichtenbestände in Gefahr. Ein Käferweibchen sorgt in der ersten Generation für mindestens fünfzig Nachkommen – drei Generationen können pro Jahr aufgezogen werden. Ab Juli explodiert die Population, dann bleiben noch wenige Wochen, um die Bruträume zu entziehen.
Diese befinden sich in Fichten, die keinen normalen Harzdruck mehr aufbauen können. Nach dem Fällen werden sie schleunigst ins Sägewerk gebracht, das Holz leidet unter dem Käferbefall nicht. Stämme, die liegen bleiben, sind umgehend zu schälen oder mit Gift zu besprühen. Die Sprühlösung ist ungefährlich für Wirbeltiere und andere Insekten. Noch heute gilt die Fichte als "Brotbaum" der Forstwirtschaft. Vielfältig sind die Verwendungsmöglichkeiten: Aus dicken Stämmen wird Bauholz, mittlere werden zu Brettern und Latten verarbeitet und dünne kommen in die Papierproduktion. Ihre "Zieldicke" erreicht die Fichte im Alter von ungefähr 100 Jahren.
Die Industrie nimmt nichts ab
Die Buche erreicht erst einen idealen Durchmesser von sechzig Zentimetern, wenn sie vierzig Jahre und älter ist. In diesen Beständen wurde im vergangenen Winter eine Pflegedurchforstung vorgenommen, dazu noch Einschläge für die Brennholz-Kunden aus der Umgegend. Für die Industrie wird derzeit nichts gefällt. Die Preise sind im Keller. Ein deutlich verminderter Einschlag sei die Reaktion auf die Krise gewesen. In Hessen z.B. wurde die Nutzung auf ein Drittel des normalen Maßes zurückgefahren. Gegenüber 2008 sind die Preise stark unter Druck. Zum Beispiel beträgt der Rückgang beim Fichten-Stammholz mit einem Durchmesser zwischen 25 und 29 Zentimetern mindestens zwanzig Prozent.
Nicht immer war der Wald so wenig wert. Noch vor hundert Jahren lebten ganze Landesteile von der Holznutzung. Eine Folge war die Abholzung in großem Stil – Heidelandschaften entstanden, der Ginster breitete sich ungehemmt aus. Einhalt boten dann die ersten fürstlichen Forstverordnungen, die den Raubbau auch im Taunus stoppten. Die Diskussion zur Art der Bewaldung ist uralt, die große Frage ist immer gewesen, ob Mischwald oder Monokulturen gefördert werden sollten. Reine Fichtenschläge könnten zum Beispiel durch Stürme und Käferbefall vernichtet werden: Das ist ein Domino-Effekt.
Ökologische Abwechslung ist gefragt
Nach dem Desaster durch den Orkan "Kyrill" 2006 begannen die Experten erst recht umzudenken. Denn schon vorhergegangene Orkane hatten in den Beständen flachwurzelnder Bäume immense Schäden verursacht. Eine Mischung verschiedener Baumarten soll in den Revieren die häufiger auftretenden Sturmschäden gering halten. Ökologische Abwechslung ist gefragt, heute nutzt die Freizeitgesellschaft den Wald als Ort des Ausgleichs und der Ruhe – sogar notwendige Forstarbeiten würden oft als störend empfunden.
Dem Fachmann sind die alten, charaktervollen Bäume die liebsten. So kann und muß man es auch sehen: Der Baum ist ein faszinierendes Lebewesen mit einem völlig anderen Zeithorizont. In den Rhythmus des Internet-Zeitalters läßt sich der Wald nicht einzwängen. Viele Förster wünschen sich statt der industriellen eher eine handwerkliche Bewirtschaftung. "Das Lenken des Lichts" zählt zu den wichtigsten Aufgaben dieses Berufs. Es muß Raum geschaffen werden, damit einzelne Bäume genug Himmelslicht speichern, um ihre Stämme in die Höhe treiben zu können.